Mittwoch – Zwischen Technik und Nähe
Mittwoch ist ein Tag mit vielen medizinischen Aufgaben. Ich beginne den Tag mit einer Wundversorgung. Steriles Arbeiten ist hier das A und O. Jeder Handgriff muss sitzen, jeder Ablauf konzentriert und sauber durchgeführt werden. Routine und Erfahrung helfen, aber sie ersetzen nie die Aufmerksamkeit.
Ich kontrolliere die Wunde sorgfältig, achte auf Veränderungen und dokumentiere alles genau. Danach lege ich einen neuen Verband an. Anschließend messe ich die Vitalwerte. Blutdruck, Puls, Blutzucker. Zahlen, die viel über den Zustand der Patientinnen und Patienten aussagen und die Grundlage für weitere Entscheidungen bilden.
Später ziehe ich bei einer Patientin die Kompressionsstrümpfe an. Das erfordert echt viel Kraft, Technik und jede Menge Geduld. Aber die Patientin arbeitet gut mit. Wir schaffen das gemeinsam. Währenddessen sprechen wir ein wenig. Oder besser gesagt: Sie erzählt, ich höre zu.
Dann sagt sie plötzlich: „Sie sind oft der einzige Mensch, den ich sehe.“
Ich halte kurz inne. Solche Sätze kommen unerwartet. Sie gehen nah. Und trotzdem bleibe ich professionell. Ich lächle sie an, sage nicht viel, aber bleibe für einen Moment bewusster bei ihr.
Auf der Autofahrt zum nächsten Einsatz denke ich noch darüber nach. Eigentlich hätte ich gerne etwas mehr Zeit gehabt. Aber mein Tourenplan ist voll. Die nächsten Patientinnen und Patienten warten bereits.
Der Mittwoch zeigt mir mal wieder, wie nah Fachlichkeit und Menschlichkeit beieinander liegen. Ich arbeite nach klaren medizinischen Standards. Und bin gleichzeitig Teil von sehr persönlichen Momenten.